TOBY WISEMAN

Chefredakteur von Men’s Health und Kolumnist von The Sunday Times STYLE

- SHORT STORIES -



Über KERASIA im Nordosten von KORFU

Biografie

Wenn ich nicht gerade meinem Workaholismus fröne, beschäftige ich mich mit Musik und Geschichte; ich fahre Rad, koche gerne, gehe laufen und mag Pubs. Ich wäre gern ein paar Kilos leichter, doch leider bin ich ein bon viveur – jemand der zu viel isst und trinkt. Das Glück ist ein langer Lauf, ein gutes Buch, ein kühles Bier und die Anwesenheit meiner Familie.


Was macht Kerasia so besonders?

Die Fahrt vom Flughafen aus beginnt erstmal unauffällig, man kommt vorbei an den üblichen Fussballshirt-und-Kebab-Resorts, doch nach einer halben Stunde geht es steil bergauf und es wird windiger – dann hat man die wunderschöne, dramatische Küste erreicht. Bei jedem Besuch dieses besonderen Ortes wird die Spannung und Vorfreude nur noch größer. Es fühlt sich an, als würde man zugleich nachhause kommen und in den Himmel steigen.


Orlebar Brown - Short Stories | Toby Wiseman

Und welcher Mensch ist verantwortlich dafür?

Petros von der Taverna Kerasia , einem einsamen Bar-Restaurant in einer idyllisch abgeschiedenen Bucht. Im Winter ist er Ziegenbauer und im Sommer Wirt und Kellner. Er erinnert sich stets an unsere Namen, unsere Getränke der Wahl und unseren Lieblingstisch. Er erkundigt sich immer nach unseren Eltern und meine Kinder mögen ihn mehr als mich. Er hat alles komplett im Griff, wirkt aber wie der entspannteste Kerl, den ich jemals getroffen habe. Ohne ihn wäre der Urlaub niemals so entspannt und wohltuend.


Was macht Sie traurig?

Dass ich zu früh wieder abreisen muss und dass meine Empfehlung den Ort bekannter machen könnte.


Gibt es etwas, das nostalgische Gefühle in Ihnen geweckt hat?

Ich komme seit nahezu zwanzig Jahren nach Kerasia. Früher habe ich dort Zeit mit meinem Vater verbracht. Und auch mit meiner Freundin, die inzwischen meine Frau ist, habe ich dort die ersten aufregend-romantischen Urlaube verlebt. Meine Lebensumstände haben sich seit meinem ersten Besuch erheblich verändert – dieser Ort und die Menschen dort hingegen kaum.


Orlebar Brown - Short Stories | Toby Wiseman

Ein guter Tipp?

Ein Auto ist nützlich, doch das spannendste und effizienteste Fortbewegungsmittel ist das Boot. Man kann dort einfach eines mieten. Die beste Art, die Schönheit der Küste zu genießen. Zudem gibt es nicht Beglückenderes und Entspannteres, als morgens kurz am kleinen Hafen von Agios Stefanos zu halten, um Brot und Kleinigkeiten zu kaufen, ein paar Stunden später bei Kouloura zu schnorcheln und dann für ein ausgedehntes Mittagessen nach Agni zu schippern.

Fragen Sie in der Taverna Kerasia den Besitzer Nikatsas, ob er bei den Felsen links vom Steg frischen Fisch gefangen hat. Nach dem Essen sollten Sie sich gemeinsam mit ihm ein Gläschen des lokal gebrannten Schnaps genehmigen.


Der beste Ort zum Sightseeing?

Der Besuch der Geisterstadt Perithia verspricht einen wunderbar unheimlichen Trip in die Vergangenheit – so etwas haben Sie noch nie gesehen. Man kann sagen, dass die gesamte Küste zugleich atemberaubend und unbeschwert wirkt. Nichts schlägt jedoch eine Karaffe des lokalen Weines gegen 4 Uhr nachmittags am Kerasia Beach, wenn die Intensität der Sonne ein wenig nachlässt und man sich langsam über die Abendgestaltung Gedanken macht.


Eine unvergessliche Mahlzeit?

Als mein Sohn nicht einmal ein Jahr alt war, sind wir für ein frühes Abendessen zum kleinen Fischerhafen von Kouloura gefahren. Erstaunlicherweise versetzte ihn die Fahrt in einen tiefen Schlummer – obwohl sein Schlafrhythmus sonst immer im krassen Gegensatz stand zu den Versuchen seiner Eltern, ein soziales Leben aufrecht zu erhalten. Er schlief also in seinem Kinderwagen und wir hatten ein herrliches Freiluft-Dinner mit Tintenfisch-Eintopf und Rosé im Sonnenuntergang. Abgesehen von einem anderen Pärchen, dem es ähnlich ging wie uns, waren wir die einzigen Gäste. Plötzlich musste des gesamte Personal aufgrund eines familiären Vorfalls das Restaurant verlassen. Auch wir wollten aufbrechen, wurden aber dazu angehalten, unsere Mahlzeit zu beenden und erst zu gehen, wenn wir bereit dazu waren. Erst zwei Stunden später steckten wir etwas Bargeld unter einen Topf und löschten das Licht, bevor wir uns auf den Weg machten. Dieses Erlebnis war die finale Bestätigung, dass wir nicht länger in Großbritannien waren.


Was steht als Nächstes auf der Liste?

Ist es langweilig, zu sagen, dass ich immer wieder an diesen Ort zurückkehren möchte? Vielleicht. Mit den Kinder würde ich sagen: Sardinien. Wenn es nur um meine Frau und mich ginge: die Insel Ischia, an der Küste von Amalfi.


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