Silvester rund um die Welt

- Von David Prior -

Den Ball Drop am Times Square und das Feuerwerk im Sydney Harbour kennen Sie, doch wenn es zur Feier des neuen Jahres etwas ganz anderes sein soll, dann denken Sie auf dem Globus doch einfach mal an folgende Orte:



Ritualzeremonie zu Ehren von Yemanjá, erschossen von Jan Sochor

Réveillon, Brasilien

Während die Menschen auf der Nordhalbkugel der Erde an Silvester bibbern, zieht es viele Brasilianer an den Strand. Dort wird Réveillon gefeiert, eine Open-Air-Feier, die festliches Ritual und ausgelassene Party zugleich ist. In der Stadt Salvador, einem Zentrum der afrobrasilianischen Kultur, können Sie gemeinsam mit den Einheimischen zu den rauen Rhythmen von Axé, dem Soundtrack der Stadt, die Hüften schwingen. Um Frieden und Wohlstand zu beschwören und den Segen von Yemanja, der Göttin der Meere, zu erhalten, tragen die Einheimischen Weiß und bringen Blumen, Parfums und Devotionalien ans Meer. Um Mitternacht wird der Himmel vom Feuerwerk erleuchtet und die ganze Bucht ist voller Fischerboote.




Melasti-Reinigungszeremonie vor Nyepi

Nyepi, Indonesien

Am Tag vor dem balinesischen Neujahrsfest im März sind lediglich Hähne und Hunde zu hören – und das Wasser, das durch Flüsse und Bäche rauscht. Ansonsten bleibt die indonesische Insel an Nyepi, dem offiziellen Tag der Ruhe, Meditation und Selbstreflexion, vollkommen still. Innerhalb dieser 24 Stunden gibt es vier strenge Regeln: kein Reisen, kein Feiern, keine Arbeit, kein Feuer (wozu heute auch elektrisches Licht zählt). Vor dem Fest tragen die Dorfbewohner gigantische Ogoh-Ogoh-Figuren, die für die bösen Geister stehen, durch die Straßen. Nachdem die Dämonen vertrieben wurden, reinigen die Einheimischen ihren Geist und ziehen sich in die innere Einkehr zurück. Der ultimative Urlaub für die Ohren: Nyepi ermöglicht es Einheimischen und Besuchern, sich selbst wieder beim Denken zuzuhören.




Der erste Shinto-Schreinbesuch des japanischen Neujahrs heißt Hatsumōde

Japanisches Neujahrsfest

Natürlich können Sie sich auch den Horden anschließen, die sich unter den digitalen Reklametafeln der Shibuya-Kreuzung zusammenpferchen, um das neue Jahr in Tokio zu begrüßen – ein bereichernderes Erlebnis bietet aber sicherlich der Besuch einer der vielen buddhistischen Tempel oder Shinto-Schreine der Stadt, wo traditionsgemäß die Glocken genau 108 Mal erklingen. An einigen Orten trifft man auf Anhänger, die in traditionelle Gewänder gekleidet sind, und es gibt Buden mit Glücksbringern, Sake und Snacks – darunter Buchweizennudeln, die in dieser Nacht gerne gegessen werden. Überall wird bis Mitternacht in regelmäßigen Abständen eine Glocke geläutet, um die Seele für das kommende Jahr von ihrer weltlichen Verdrossenheit zu reinigen.




Bewohner, die für Ashura Schlagzeug spielen © DR

Ashura, Marokko

In Marokko wird Muharram, der erste Monat des islamischen Mondkalenders, durch eine Feier namens Ashura eingeleitet. In den Souks der Städte vibrieren die Marktstände vom Klang der Musikinstrumente, darunter Taarija-Trommeln, die von jungen Menschen gespielt werden, welche sich in ihren Vierteln treffen und traditionelle Lieder singen. Trockenfrüchte, Gebäck und Süßigkeiten in allen Varianten werden geschenkt und ausgetauscht, z. B. Fekkas – Kekse, die an aus Mandeln und Rosinen hergestellte Cantuccini erinnern. Um die Feierlichkeiten einzuleiten, entzünden die Kinder am Vorabend Feuerwerkskörper und bewerfen sich gegenseitig mit Wasserbomben.




Traditionelle srilankische Köstlichkeiten für Avurudu © BT Images

Neujahrsfest in Sri Lanka

Das Neujahrsfest in Sri Lanka wird im April von Singhalesen und Tamilen unterschiedlich gefeiert, doch bei beiden stehen die Familie und das Essen im Mittelpunkt. In den singhalesischen Gemeinden heißt das Fest Avurudu. Hier dringen Trommeltöne aus den Tempeln und aus den Häusern duftet es nach frittierten und gebackenen Leckereien wie Aggala und Kokis. Tamilische Hindus feiern zeitgleich Puththandu und salben ihre Familienoberhäupter mit Kräutern, die mit Milch, Safran und Blumen aufgekocht wurden. Als Gaumenfreude gibt es liebevoll zubereiteten süßen Reis mit Palmzucker, Cashewkernen und Pflaumen. Auf der Insel herrscht während dieser Zeit eine entspannte, festliche Stimmung: Die Bewohner tauschen Geschenke aus und essen gemeinsam mit Familie und Freunden, um das neue Jahr freudvoll zu begrüßen.






Geschrieben von David Prior, Gründer und CEO von PRIOR, ein Reiseclub nur für Mitglieder. Entdecken Sie die maßgeschneiderten Reiserouten von PRIOR und eine Bibliothek mit einmaligen Erlebnissen, Reisen, Veranstaltungen und Partys rund um den Globus unter www.prior.club .



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