West Indian Day: Romantiker und Träumer

Orlebar Brown wurde von Anfang an durch meine Lebenserfahrungen geprägt. Wir gehören zu dieser Welt und glauben, dass wir alle den Wunsch haben und in der Lage sein sollten, teilzuhaben und Verbesserungen zu erreichen.

Von Anfang an war es für Orlebar Brown ein zentrales Anliegen, „zu ermutigen, zu begeistern und allen einen besseren Urlaub zu ermöglichen“. Besser ist das Schlüsselwort für unsere Herangehensweise – bei allem, was wir tun. Angesichts der dringenden Probleme, denen die globalen Gemeinschaften derzeit gegenüberstehen, hat unser Team in den letzten Monaten in den Spiegel geschaut – um zu ergründen, welche internen und externen Verbesserungen für uns möglich sind.

Als eine Marke, die das Glück und das Privileg hat, über eine soziale Plattform und ein breites Publikum zu verfügen, sehen wir viele Möglichkeiten, wie wir uns verbessern können, indem wir positiven Einfluss nehmen und sinnvolle Veränderungen bewirken. Wir verstehen es nicht als Option, sondern als Verantwortung gegenüber unserer globalen Gemeinschaft, aktiv zu werden – und dabei Mitgefühl zu zeigen. Deshalb besitzt unser Team die Stärke zuzuhören, zu lernen und zu reflektieren.

In den kommenden Monaten werden wir unserer Gemeinschaft ein zweckgerichtetes Leitbild und klare Ziele präsentieren, die durch unsere Markenwerte untermauert werden – mit der Absicht, Anfang 2021 ein engagiertes Markenversprechen einzuführen. Unser Versprechen wird die Verantwortung Orlebar Browns hinsichtlich der Umsetzung und Einhaltung sozialer und nachhaltiger Ziele beinhalten; zudem wird es darlegen, auf welche Weise wir uns verbessern können, und unsere Verpflichtung zum Ausdruck bringen, stets das Richtige zu tun.

Zudem freuen wir uns, anlässlich des „Black History Month“ in Großbritannien einen Artikel mit dem Titel „West Indian Day: Romantiker und Träumer“ zu veröffentlichen, den der gefeierte Autor Colin Grant für Orlebar Brown verfasst hat. Ich hoffe, dass Ihnen allen die Lektüre ebenso viel Freude bereitet wie uns.

Adam Brown,
Gründer von Orlebar Brown

Historian Colin Grant
Ankunft westindischer Einwanderer an der Londoner Victoria Station nach ihrer Weiterfahrt von den Southampton Docks.
© Haywood Magee / Stringer / Getty


„Bageye? Der fordert sein Glück etwas zu gerne heraus“, sagte meine Mutter Ethlyn in ihrem karibischen Patois über ihren Ehemann. Diese Worte brachten es auf den Punkt. Jedoch hätte diese Beschreibung auch auf Ethlyn und alle ihre karibischen Freunde und Verwandten zugetroffen, die in den 1950er und 1960er Jahren als Teil der „Windrush-Generation“ nach Großbritannien kamen. Keiner von ihnen scheute vor Unwägbarkeiten zurück. Sie waren schon immer allen möglichen Risiken ausgesetzt gewesen und lebten mit der Gefahr von Taifunen, Wirbelstürmen, Missernten und Arbeitslosigkeit. Sie zogen auf gut Glück los und reisten von Britisch-Guayana, Jamaika, Trinidad, Barbados und unzähligen weiteren Inseln einer vagen und unsicheren Zukunft entgegen, die 4.000 Meilen entfernt lag.

Der in Barbados geborene Schriftsteller George Lamming erinnert sich, dass die Hafenbeamten in Plymouth, wo die Schiffe mit karibischen Migranten in den 1950er Jahren eintrafen, über deren mangelnde Vorbereitung erstaunt waren. „Die Beamten fragten, was sie nach ihrer Ankunft in Paddington tun würden, aber niemand hatte eine überzeugende Antwort.“ Die Behörden, so Lamming, waren „fassungslos über diese Mischung aus Abenteuergeist, Ignoranz und selbstmörderischem Verhalten“.

Es half, dass die Abenteurer jung waren. Das Durchschnittsalter der Passagiere der HMT Empire Windrush betrug vierundzwanzig Jahre; viele, die später mit dem Flugzeug oder anderen Schiffen kamen, waren noch Teenager. Und alle waren Romantiker und Träumer, die sich mit dem Ehrgeiz ins Herz des British Empire aufmachten, nicht nur ihre eigene Situation, sondern auch die ihrer besorgten Verwandten in der Heimat zu verbessern. Scheinbar über Nacht schufen sie eine Überweisungskultur und schickten Geld und Hoffnung zurück auf ihre Inseln, an ihre Eltern, Tanten, Onkel, Cousins und Großeltern.

Außerdem brachten sie ein Gefühl des Optimismus in ein Land, das noch immer unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs litt – eine Nation, die ihren eigenen Exodus erlebte. 1947 wandte sich Winston Churchill direkt an die mehr als eine halbe Million „munteren und aktiven Bürger in der Blüte ihres Lebens“, die planten, Großbritannien zu verlassen; Ziel deren Auswanderungsbestrebungen waren vor allem jene Länder des Commonwealth, die von den meisten Briten als überwiegend weiß wahrgenommen wurden – darunter Südafrika und Australien. Churchills verzweifelter Appell „Wir können nicht auf euch verzichten!“ wurde nicht gehört. Doch in gewisser Weise kam für jeden Auswanderer ein Einwanderer hinzu. Denn jene ausgewanderten Briten wurden im Laufe des nächsten Jahrzehnts durch Briten von den Westindischen Inseln ersetzt, die sich in Großbritannien niederließen.

In gewisser Weise fühlte es sich für diese Einwanderer wie eine Heimkehr ins Mutterland an. Denn Großbritannien und alles „Britische“ genossen in den karibischen Kolonien ein sehr hohes Ansehen. Die Windrush-Generation verfügte über umfassendes Wissen bezüglich britischer Geschichte und Kultur. Meine Mutter erinnerte sich, dass zu Beginn von Filmen, die im Rialto-Kino in Kingston auf Jamaika gezeigt wurden, stets das gesamte Publikum aufstand, um die britische Nationalhymne zu singen. Und als ich im Luton der 1960er Jahre aufwuchs, hörte ich stets mit Staunen zu, wenn Ethlyn Rudyard Kiplings episches Gedicht „Gunga Din“ perfekt vor sich hin rezitierte, während sie am Samstagmorgen das Haus putzte. Viele ihrer Bekannten erzählten, wie aufregend es für sie war, an ihre Verwandten in der Karibik zu schreiben und erzählen zu können, dass sie wirklich und wahrhaftig zum Oxford Circus oder zum Trafalgar Square gelaufen waren. Solche Orte, die ihnen nur aus Schulbüchern bekannt waren, offenbarten sich ihnen jetzt auf magische Weise. Die westindischen Einwanderer brachten eine neue, staunende Wahrnehmung der besonderen Stellung Großbritanniens als ausgewählte Nation in das Land ein.

Historian Colin Grant
Ethlyn Grant, die Mutter der Autorin


Joyce Estelle Trotman, die in den 1950er Jahren aus Britisch-Guayana ins Vereinigte Königreich kam, betrachtete die Reise als Binnenmigration. Ihr britischer Reisepass trug den Stempel „Right of Abode“ (Wohnrecht); ihr Recht, im Vereinigten Königreich zu leben, wurde nie in Frage gestellt. Es war dasselbe, wie wenn eine Person aus Manchester nach London zog – außer dass die Reise anstelle von drei Stunden bis zu drei Wochen dauerte.

Die Briten waren für ihr phlegmatisches Wesen bekannt, doch auch die westindischen Einwanderer verstanden es, Rückschläge mit Fassung zu tragen, und bekräftigten dadurch jenes angeblich typisch britische Verhalten des „sturen Weitermachens“. Wenn sie aus Vorstellungsgesprächen entlassen wurden, bevor sie überhaupt den Mund aufgemacht hatten, schlugen sie den Kragen ihres Mantels hoch und gingen weiter. Eric Johnson erinnerte sich an die vielen Male, bei denen er „leider knapp zu spät“ für eine Stelle erschien, die gerade eben auf wundersame Weise besetzt worden war. „Der Engländer ist der netteste Mensch der Welt“, sagte Eric Johnson, „wenn er ‚nein‘ zu dir sagt.“

Sie erfuhren eine Ablehnung nach der anderen – besonders bei der Wohnungssuche in den 1950er und 1960er Jahren. Schließlich war dies die Ära, in der britische Vermieter Schilder mit dem Hinweis „Keine Schwarzen, keine Iren, keine Hunde“ an die Fenster hängten. Doch unbeabsichtigter Weise taten die bigotten Vermieter den westindischen Einwanderern damit sogar einen Gefallen. Denn diesen blieb nichts anderes übrig, als sich ihre Wohnung oder ihr Haus selbst zu kaufen, wobei sie sich manchmal als Gruppe von Freunden oder Verwandten zusammenschlossen und dadurch vor den rattenverseuchten Bruchbuden verschont blieben, die sie ansonsten hätten mieten müssen. Es gab natürlich ein großes Hindernis für den Kauf von Wohneigentum: die Weigerung der Banken, Schwarzen eine Hypothek zu gewähren.

Die westindische Antwort hieß: „Pardner“. Die Einwanderer schufen ihr eigenes inoffizielles Bankensystem, das unter diesem Namen bekannt wurde. Eine Neuerung, die aus den Widrigkeiten hervorging, welche sich wie ein roter Faden durch das hiesige Leben der Migranten von den westindischen Inseln zogen. Beim „Pardner“ schlossen sich Gruppen von Sparern zusammen, und der Reihe nach hob jeder einzelne den kollektiven Beitrag einer ganzen Woche ab, um damit eine Anzahlung zu leisten oder manchmal gleich eine Wohnstätte zu kaufen. Ich glaube, dass es die westindischen Einwanderer waren, die den Briten der Arbeiterklasse die zuvor ungeahnte und revolutionäre Möglichkeit eröffnet haben, Wohneigentum zu erwerben.

Während meiner gesamten Kindheit schienen meine Eltern in einem kaum greifbaren Zustand der Nichtzugehörigkeit zu leben, denn es war ihnen weder möglich, England zu verlassen, noch nach Jamaika zurückzukehren. Ich habe mich als Kind oft gefragt, wie sie mit diesem irritierenden Umstand zurecht kamen; wie sie es schaffen würden, den Bann zu brechen, der zu einer lähmenden Trägheit geführt hatte. Und dann wachten wir eines Tages auf und sahen Ethlyn und Bageye mit Eimern voller Leim und Tapetenrollen. Sie waren dabei, neu zu tapezieren! In dem Moment wussten wir Kinder, dass wir hier bleiben würden.

Und das taten wir, ungeachtet der von Zeit zu Zeit aufflammenden Feindlichkeit gegenüber Einwanderern – wie zum Beispiel im Jahr 1968, als der unverhohlen nativistisch eingestellte konservative Politiker Enoch Powell in seiner „Rivers of Blood“-Rede ein Blutvergießen zwischen Schwarzen und Weißen vorhersagte. Dazu ist es nie wirklich gekommen, auch wenn ein Jahrzehnt zuvor bei den Notting-Hill-Rassenunruhen manches darauf hingedeutet hatte. Aggressive Anhänger der Teddy-Boys-Jugendbewegung, ausgerüstet mit Eisenstangen, Fleischermessern und beschwerten Ledergürteln, stürmten an einem Feiertag im August 1958 durch den Londoner Stadtteil Notting Hill, um sämtliche Schwarzen in Sichtweite niederzuschlagen.

Doch dieses blutige Intermezzo hatte eine unerwartete Folge: den Karneval. Die westindischen Einwanderer beschlossen, „den Spieß umzudrehen“ und etwas zu schaffen, das den bitteren Nachgeschmack der Unruhen neutralisieren würde. Innerhalb weniger Jahre riefen sie in Notting Hill sowie im Stadtteil Chapeltown in Leeds eine neue Tradition ins Leben, die diese Bezirke komplett verwandeln sollte: Wenn auch nur für ein Wochenende hielt in diesen grauen, abweisenden Vierteln ein ausgelassenes, farbenprächtiges Vergnügen Einzug. Die westindischen Einwanderer brachten das Straßentheater nach Großbritannien und zeigten den Einheimischen, wie man tanzt. Als die Musik – Soca, Calypso und später Reggae – dazukam, wirkte sie ansteckend; die Leute konnten gar nicht anders, als mit den Hüften zu wippen, zu hüpfen und zu swingen.

Zu den vielleicht größten Vermächtnissen der Windrush-Generation zählt ihr Einfluss auf die sich wandelnde Kultur Großbritanniens. Darauf spielt die große jamaikanische Folksängerin Louise Bennett in ihrem Gedicht „Colonizing Inglan in Reverse“ an. Der Titel ist ein Verweis auf die überwältigende Begeisterung angesichts der Übersiedlung ins Mutterland, mit der von 1948 bis 1962 mehrere hunderttausend Menschen von den westindischen Inseln nach Großbritannien zogen. So viele verließen ihre Inseln, dass sich bald ein Witz darüber verbreitete, dass der Letzte nicht vergessen sollte, das Licht auszuschalten. In ihrem Gedicht stellt sich Bennett vor, dass die Briten keine Ahnung hatten, was da auf sie zukam: „Wat a devilment a Englan!/Dem face war an brave de worse/But me wondering how dem gwine stan/Colonizin in reverse.“

Ich hingegen würde argumentieren, dass es gar keine Kolonialisierung war. Tatsächlich haben die westindischen Einwanderer durch ihre Neuerungen und ihre Energie vielmehr zur Entkolonialisierung Englands beigetragen. So zum Beispiel in der Musik: Obwohl Ska in den englischen Tanzlokalen anfangs nicht willkommen war, fungierten Labels wie Trojan Records als eine Art Trojanisches Pferd, um in Großbritanniens starre kulturelle Festung einzudringen. Ska schaffte es in scheinbar undurchdringliche Radio-Playlisten und setzte coole Vibes und die Beats unzähliger karibischer Musiker frei – zunächst auf Blues-Partys, die in westindischen Wohnzimmern veranstaltet wurden, und später über den Äther.

Historian Colin Grant
© Howard Grey

Lange bevor Tony Blair und New Labour unter dem propagandistischen Slogan „Cool Britannia“ segelten, brachte die Windrush-Generation in Großbritannien eine neue Art von Coolness hervor. Es war ein Code, wie man ihn in diesem Ausmaß im Land nur selten zuvor gesehen hatte – eine Lebensfreude, ein Überschwang, die Fähigkeit, Freude an kleinen Dingen zu finden und dazu noch etwas Lärm zu machen.

Der Wert, den die westindischen Einwanderer auf Stil legten, hat wohl auch das Cricket grundlegend verändert, und zwar nicht nur in Bezug auf das ausladende Schlagen und Bowlen, sondern auch in Bezug auf den Unterhaltungswert des Sports. Auch wenn die Erwartungshaltung der gegnerischen Fanscharen unterschiedlich gewesen sein mag, machten nicht zuletzt die westindischen Zuschauer in The Oval, Headingley und Lord‘s deutlich, dass es zahlreiche Aspekte des Lebens in Großbritannien gab, die für kulturelle Gemeinsamkeiten mit den westindischen Migranten sprachen. Und diese frühen Abenteurer säten auch die Saat für eine Abrechnung mit der imperialen Vergangenheit Großbritanniens.

Der Windrush-Skandal enthüllte, dass in einigen Gegenden die Vergangenheit vorsätzlich vergessen worden war. Die jamaikanische Wissenschaftlerin Prof. Carolyn Cooper sagt, das britische Empire habe dafür gesorgt, dass die Bürger in Großbritannien und seinen ehemaligen Kolonien untrennbar miteinander verbunden waren (und bis heute sind). Und die Präsenz der Windrush-Generation, ihrer Kinder und Enkelkinder macht mehr als deutlich, was Ambalavaner Sivanandan mit seinem berühmten Bonmot zum Ausdruck bringt: „Wir sind hier, weil ihr dort wart.“

Historian Colin Grant
Colin Grant ist Associate Fellow am Centre for Caribbean Studies und Autor zahlreicher Bücher, darunter „Homecoming: Voices of the Windrush Generation“.© Maya Grant

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